Negative SEO Case Study – Teil 1: Tirendo kämpft mit unlauterem SEO Wettbewerb

Tirendo hat seit geraumer Zeit Probleme mit groß angelegten Negative SEO Attacken. Diese beschränken sich nicht nur auf den deutschen Shop, sondern haben vor allem für die niederländische Seite www.tirendo.nl schwindelerregende Ausmaße angenommen. Es hat den Anschein, dass die Rankings des Online-Shops rund um die Themen Reifen, Zubehör und Parts nachhaltig geschwächt werden sollen.  

Begriffserklärung: Was ist Negative SEO?

Wenn es beim traditionellen SEO das Ziel sein soll, für relevante Suchbegriffe eine gute Positionierung in den Suchergebnissen bei Google und Co zu erreichen, versucht das Negative SEO diese Rankings zu schwächen. Hier versuchen Außenstehende durch gezielte Angriffe, das SEO Profil einer Seite zu schädigen. Sie hoffen dabei darauf, dass die Seite im Anschluss durch die Suchmaschinen als Spammer eingestuft wird. Die Folge dessen wäre ein Rankingverlust oder sogar die De-Indexierung der Seite. Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine Seite anzugreifen. Eine gängige Methode ist das Setzen von schädlichen Backlinks, welche dann auf ausgewählte Seiten (Produkte) oder gar die Startseite verweisen. Gesetzt werden diese Links oft auf Seiten mit pornografischen Inhalten, auf Seiten aus dem Ausland oder aber auch in Member Lists von Foren. Hierbei soll der Eindruck entstehen, dass diese Links vom SEO Team der Seite selbst gesetzt worden sind. Durch die Pinguin Updates der letzten Jahre ist Google leider auch anfälliger für solche schlechten Linkprofile geworden, wodurch negative Folgen für die Positionierung der eigenen Seite eine Realität sind.  

Was genau ist bei Tirendo passiert?

Tirendo ist seit Mai 2012 mit seinem Shop online. Durch intensive Anstrengungen in zahlreichen Marketingkanälen, worunter auch zahlreiche TV-Kampagnen mit Sebastian Vettel zählen, konnte der Onlinehändler sich schnell auf dem deutschen Reifenmarkt etablieren.

  Gleichzeitig wurde sehr früh in eine Internationalisierung des Shops investiert. Heute ist Tirendo in 11 Ländern aktiv. Wenn eine Firma schnell wächst, zieht das auch viel Aufmerksamkeit auf sich. Manche möchten die neue Konkurrenz nicht akzeptieren und bedienen sich illegaler Mittel. Die erste Attacke gegen Tirendo erfolgte im April 2013. Damals tauchten an einem bestimmten Tag plötzlich 43 Links von nicht-aktiven, z.T. gehackten Seiten in unserem Linkradar auf. Die Attacke war damals aber recht stümperhaft angesetzt und beschränkte sich nur auf einen einzelnen Tag, d.h. die Angreifer gaben schnell auf. Deutlich anstrengender wurde es allerdings Ende Oktober, bzw. Anfang November desselben Jahres. Jetzt war nicht mehr die deutsche, sondern unsere holländische Seite (www.tirendo.nl) betroffen. Laut Ahrefs stieg vom 29. auf den 30. Oktober 2013 die Anzahl der verweisenden Seiten (referring pages) von 4109 auf 6830. Die Anzahl der auf uns verweisenden Webseiten (referring domains) stieg ebenso drastisch: von 260 auf 728.   Tirendo Negative SEO     Das muss doch ein Fehler im Tool sein – so dachten wir! Aber in den darauffolgenden Tagen hielt der plötzliche Anstieg an, mit einem Höhepunkt am 7. November: 1114 referring Domains! Selbstverständlich wurden wir hier stutzig und wussten genau, dass es sich nicht mit rechten Dingen zutragen konnte. Ein Blick auf die Übersicht der verweisenden Webseiten genügte um unsere Annahme zu bestätigen: die Links sind Spam! Oder wieso verlinkt plötzlich gayteensite.com 224 mal auf einen Automotive Shop? Bei einem Angriff mit einem solchen Ausmaß war es uns klar, dass wir so schnell wie möglich den ganzen Umfang abbilden mussten. Der große Nachteil ist, dass kein einziges Tool alle Links abbildet. Bei Tirendo ist es sogar teilweise so, dass die Resultate bei den Tools ganz unterschiedlich ausfallen. Während Ahrefs von etwa 6000 Links ausging, schilderte Majestic SEO ein noch viel schlimmeres Bild: 23.000 Spamlinks.   Tirendo Negative SEO Spamlinks   Die Anchortexte sind etwas einfallslos ausgewählt: Winterreifen, günstige Reifen, Autoreifen, Reifen sowie der Schreibfehler „Winter Reifen“. Als Online Shop haben wir logischerweise Landing Pages für die jeweiligen Suchbegriffe angelegt (mit Ausnahme für den Tippfehler). Das war den Angreifern allerdings egal: Alle Links gehen auf die Startseite. Über die Gründe hierfür lässt sich sicherlich streiten, also möchte ich an dieser Stelle nicht darauf eingehen. Das Ganze ist nicht nur wegen der reinen Linkmasse und der Auswahl der Anchor sehr aufwendig für das SEO Team von Tirendo. Anders als in Deutschland beschränken sich die Angreifer gegen tirendo.nl nicht auf einen einzigen Tag, sondern bombardieren die Seite beständig mit Spamlinks. Alleine im Monat Januar kamen 719 Links hinzu. Damit sprechen wir von durchschnittlich 23 Links am Tag.  

Was waren die Folgen für Tirendo?

Es ist unklar, ob Negative SEO funktioniert. Manche SEOs behaupten, dass Google die Unnatürlichkeit eines plötzlichen Anstiegs der Backlinks erkennt und sofort ausfiltert. Der Effekt wäre somit gleich null. Sicher ist das allerdings nicht! Wenn man aber für den SEO Bereich in seiner Firma Verantwortung trägt, will man kein Risiko eingehen und sofort gegen diese Praktiken vorgehen. Was ist also mit der Sichtbarkeit passiert?   Tirendo Negative SEO Visibility   Ironischerweise hat tirendo.nl seit Anfang der Attacke laut Searchmetrics stark an Visibility gewonnen. Unsere wichtigsten Rankings wurden nachhaltig gestärkt und auch beim Traffic konnten wir nur eine positive Entwicklung feststellen. Böse Zungen könnten behaupten, dass es vielleicht gerade die Spamlinks waren, die diesen Fortschritt hervorgerufen haben. Allerdings ist dies ganz klar abzustreiten, da wir direkt gegen den Angriff vorgegangen sind. Wir verurteilen die noch stets andauernden Angriffe gegen uns und rufen auf zur fairen Konkurrenz. Gleichzeitig möchte ich anmerken, dass wir diesen Angriff als ein Kompliment betrachten. Denn wären wir in den Niederlanden nicht erfolgreich, hätte es diesen Angriff vermutlich nie gegeben.

 

Teil 2: Meine Seite wird angegriffen – Was soll ich tun?

Das Thema ist zu umfangreich, um hier noch eine Best Practice-Gegenmaßnahme zu präsentieren. In einem folgenden Beitrag, werde ich nächste Woche genauer auf folgende Fragen eingehen:
  • Wie erkenne ich einen Angriff frühzeitig?
  • Kann ich ihn verhindern?
  • Wie sollte man genau vorgehen?

linkbuilding whitepaper

Laurens Mauquoi

Laurens Mauquoi

Laurens Mauquoi ist Head of SEO und eCRM bei smava. In seiner Freizeit bloggt Laurens leidenschaftlich über Wein und Reisen.

Follow Me:
TwitterFacebookGoogle Plus

Diese Inhalte könnten auch interessant für Dich sein:

17.06.2019 Webinar mit Klaus Eck: Corporate Influencer Jetzt anmelden!
Hello. Add your message here.