Content Marketing Club – Ingo Kamps und Philipp Schütte im Gespräch: „Content Marketing Erfolge müssen messbar sein!“

Als Affiliate-Marketer dreht sich bei ihm alles um Kennzahlen: Im Rahmen eines „hochprofessionellen“ skype-Interviews sprach unser Content Manager Philipp Schütte mit Online-Marketing-Experte Ingo Kamps. In entspannter Pausen-Raum-Atmosphäre philosophierten die beiden nicht nur über klassische Marketing-KPI’s, sondern auch über Amazon SEO und die Zukunft von Chatbots. Ein Gespräch, das wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen.

Wie alles anfing…

Philipp:

Hallo Ingo, schön, dass du dir Zeit für ein Interview mit uns genommen hast.

Ingo:

Hallo, danke für die Einladung.

Philipp:

Dein Fokus liegt ja eher auf Performance Marketing. Deswegen hast du meine Eröffnungsfrage sicherlich schon öfters gehört: Wie bist du zum Performance Marketing gekommen?

Ingo:

Zum Performance Marketing bin ich tatsächlich wie die Jungfrau zum Kind gekommen: Als die Affiliate-Netzwerke, wie z.B. das Amazon-Partnerprogramm, um das Jahr 2000 entstanden, habe ich damit einfach mal ein bisschen rumgespielt…

Ich habe eine Website gebaut, ein paar Online-Shops drauf gepackt und diverse SEA-Anzeigen geschaltet. Das Schlüssel-Erlebnis war dann ein Abend, an dem ich ausgegangen war und, als ich wieder nach Hause kam, tatsächlich ein paar Sales vorfand.

Es war nur ein Versuch. Eine Spielerei, wenn man so will. Ich dachte mir natürlich sofort: WOW! Das ist ja vielleicht einfach… Allerdings wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, was es mit Stornos, Rück-Sendungen usw. auf sich hat.

Nach und nach hat sich das Ganze recht erfolgreich entwickelt, wobei ich zunächst noch nicht den Mut hatte, vollständig darauf zu setzen und zunächst im Web-Design tätig war. Seit 2004/05 habe ich mich aber vollständig dem Performance Marketing verschrieben. Demnach kann man schon sagen, dass ich das Ganze von Anfang an mit verfolgt habe.

Content Marketing muss messbar gemacht werden!

Philipp

Und wie stehst du, als, nennen wir es mal „Außenseiter“, zum Content Marketing?

Ingo:

Trotz meines Performance-Hintergrunds habe ich mich immer für Content interessiert und selbst Webseiten gebaut. Darunter war z.B. auch eine Android-Webseite aus dem Jahr 2008, die ich später an die Drillisch AG verkauft habe, zu der u.a. auch 1&1 gehört.

Die aktuellen Entwicklungen im Content-Bereich verfolge ich natürlich auch, wobei ich die Bemühungen mancher Unternehmen durchaus eher kritisch sehe: Content Marketing muss, wie jede andere Marketing-Form auch, messbar gemacht werden! Daher muss zuvor immer ein konkretes Ziel in Form einer Strategie definiert werden.

Insgesamt habe ich aber einen sehr positiven Eindruck von Content Marketing, WENN es denn gut gemacht ist!

Philipp:

Sehr gut, dass du das ansprichst: Auf die Messbarmachung von Content Marketing Maßnahmen legt auch unsere Product-Abteilung seit Jahren den Fokus. Ich glaube, dass du da einen wunden Punkt triffst, weil es noch immer viele Unternehmen gibt, die nicht zwischen „Mein Content Marketing ist erfolgreich, weil ich es vermute“ und „Mein Content Marketing ist erfolgreich, weil ich es in KPI’s messen und anzeigen kann“ unterscheiden können.

Ingo:

Ja, lange Zeit haben sich Unternehmen halt gedacht: Wir machen jetzt mal Content. Der wird dann bei Google schon irgendwie gefunden und beschert uns neue Kunden. Dabei wird dann aber vergessen, dass einfaches Drauf-Los-Bloggen nichts bringt. Wenn deine Inhalte ein Problem zu einem Produkt lösen, ist das natürlich hilfreich, aber wenn ein Unternehmen im Blog nur über sich schreibt, ist das in meinen Augen vergebene Lebensmüh.

Wie man auch heute noch mit Bannern Geld verdienen kann…

Philipp:

Nächste Frage: Mobiles Social Media Advertising – Was kann ich mir darunter vorstellen? Handelt es sich lediglich um Facebook-Anzeigen im Kleinformat, oder gehört da noch mehr dazu?

Ingo:

Facebook war tatsächlich der erste Big Player, der es geschafft hat, seine Anzeigen auf Mobile Endgeräte zu übertragen. Die Herausforderung bestand ja lange Zeit darin, ein für Mobilgeräte passendes Anzeigen-Format zu finden. Die Lösung von Facebook bestand darin, auf Banner zu verzichten und auf Native Advertising umzusteigen. Im Native Advertising Bereich selbst haben sich über die Jahre Anbieter wie Taboola und Outbrain etabliert, die dann aber wieder eher ins Content Marketing passen.

Auf Mobilen Endgeräten ist das mit den Bannern auch eher schwierig, weil es so schon schwer genug ist, den User zu einer mobilen Konversion zu bewegen Einerseits fordert es der User ein, andererseits werden Flugreisen und/oder Handy-Verträge primär immer noch am Desktop-Rechner gebucht.

Kanäle wie Snapchat und Co. bieten wir natürlich auch an. Wobei das, wie gesagt, alles nicht so einfach ist. Instagram ist aktuell ganz vorne mit dabei.

Philipp:

Das wäre direkt auch meine anknüpfende Frage gewesen: Instagram erlebt derzeit ja einen enorm großen Hype.

Ingo:

Das liegt meiner Meinung nach vor allem an der sozialen Komponente: Instagram wächst im Vergleich zu Facebook deswegen so stark, weil Facebook immer mehr Werbung zwischen immer uninteressanter werdenden Inhalten schaltet.

Das Facebook mit seinen diesjährigen Algorithmus-Änderungen dem entgegenwirken und wieder mehr Inhalte von Freunden und Bekannten im Newsfeed anzeigen will, ist ein klares Indiz dafür, dass man sich dem Negativ-Trend entgegenstellen will. Denn seien wir ehrlich: Das, was Facebook vor einigen Jahren noch ausgezeichnet hat, war die Interaktion über Inhalte von Freunden und Bekannten.

Diese Inhalte postet die jüngere Generation heute aber nicht mehr in öffentlichen Communitys wie Facebook, sondern verstärkt in Closed-Communitys wie Whatsapp und Snapchat. Instagram ist zwar keine Closed-Community, jedoch haben die User hier das Gefühl, dass ihre Inhalte auch wirklich von Freunden und Bekannten geklickt, gelikt und kommentiert werden.

Zu Werbezwecken lässt sich Instagram derzeit auf unterschiedliche Art und Weise nutzen. Mir fallen da sofort die Stories ein, in denen man gezielt CTA’s platzieren und Kunden zur eigenen Website/zum eigenen Angebot weiterleiten kann. Auch auf diese Art und Weise kann Performance erreicht werden.

Philipp:

Stichwort: Banner Blindness. Bisher haben wir auch in unserem Blog auf Banner gesetzt, um z.B. auf unsere Whitepaper-Landingpage weiterzuleiten. Weil wir von diesem Konzept nur mäßig überzeugt sind und die Klickraten deutlich besser sein könnten, planen wir nun, auf eine Art Suchmaske umzusteigen, in der sich User direkt auf der Beitragsseite eintragen können. Wie stehst du zur Banner Blindness als jemand, der damit sein Geld verdient?

Ingo:

Dass die Klickraten von Bannern nicht zufriedenstellend sind, wird jeder wissen, der schon mal eine Banner-Kampagne geschaltet hat. Das Problem der Banner Blindess hat sich über die Jahre zu einer echten Herausforderung entwickelt, weil du als User natürlich irgendwann die gängigen Formate kennst und diese dann einfach überliest.

Noch dramatischer stellt sich die Situation dar, wenn ein User AdBlocker verwendet, um Banner gänzlich auszublenden. Im redaktionellen Kontext werden Banner aber dennoch weiter existieren, da sie sich hervorragend zur Refinanzierung eignen. Als Performance Marketing Manager des Axel Springer Verlags könnte ich dir unseren Lösungsansatz kurz vorstellen.

Philipp:

Insights aus dem Axel Springer Verlag!? Immer her damit.

Ingo:

Bei Axel Springer lösen wir das Ganze folgendermaßen: In die Erfolgsmessung beziehen wir nicht nur die Klicks auf die entsprechenden Banner mit ein, sondern auch die so genannten View Conversions: Wir unterstellen, dass ein Banner beim Scanning der Seite trotz Banner Blindness natürlich wahrgenommen/gesehen wird. In der Customer Journey Analyse lässt sich dann nachvollziehen, ob das Banner möglicherweise am Kaufprozess beteiligt war. Auch wenn kein Klick erfolgt ist.

Natürlich ist das eine kontroverse Methode, die nicht von allen Kunden akzeptiert wird. Aber ich bin der Meinung: Anders kann es gar nicht funktionieren. Wenn mir ein Kunde sagt, er möchte im Bild-Inventar angezeigt werden, aber ausschließlich auf Performance Basis zahlen, rechne ich ihm halt einfach vor, dass das für uns schlicht nicht rentabel ist.

Du siehst also: Das mit den Bannern funktioniert auch heute noch, zumindest, wenn man die Rechnung etwas anpasst. Auf Mobilgeräten spielt es eine deutlich geringere Rolle als auf dem Desktop-PC. Auf letzterem wird es in ausgewählten Bereichen aber definitiv fortbestehen.

Philipp:

Im Bereich App Monetarisierung habe ich schon lange darüber nachgedacht, wie es wäre contentbird als App herauszubringen. Bei meinen Recherchen bin ich dann auf INTEGR8 gestoßen, die sogar die inhaltsgetriebene Vermarktung für Apps anbieten. Welche Erfahrungen hast du mit dem Thema App Monetarisierungen gemacht und was kannst du unseren Lesern möglicherweise als Tipp mitgeben, wenn sie ein Vermarktungskonzept planen?

Ingo:

Bei der App-Monetarisierung muss man sich zunächst einmal die Frage stellen, wofür die Leute bereit sind Geld auszugeben. Im Content-Bereich ist das natürlich sehr schwierig, weil es die Texte ja nicht nur einmal im Netz gibt.

Die großen Publisher wie Spiegel und Welt lösen das mit einer Art Misch-Konzept, indem sie einen Teil ihres Contents kostenlos und einen anderen Teil als kostenpflichtigen Premium-Content bereitstellen. Wenn man Inhalte hat, für die die Leute bereit sind zu zahlen, sollte man sie natürlich auch bezahlen lassen. Wenn man besagten Epic Content nicht hat, wird es sehr schwierig…

Wenn man von Text-Content absieht, gibt es aber natürlich weitreichende Möglichkeiten, um mit einer App Gewinne einzufahren. Hierzu zählen vorrangig Werbung, der Verkauf von Inhalten (In-App-Verkäufe), wie es z.B. viele Spiele-Hersteller machen, oder der Verkauf von Produkten über einen dazugehörigen Online-Shop. Das wären so die Top 3 der Lösungen zur App-Monetarisierung.

Wie Verlage die Herausforderungen der Digitalisierung lösen könnten

Philipp:

Axel Springer, Spiegel Online – bald haben wir sie alle zusammen: In unser contentbird Academy informiert sich derzeit der Stark Verlag über Content Marketing, was mich unweigerlich zur nächsten Frage führt: Was, glaubst du, sind die zentralen Herausforderungen von Verlagen im Rahmen der Digitalisierung?

Ingo:

Um diese Frage zu beantworten, muss ich etwas weiter ausholen: Bevor das Internet massentauglich wurde, haben die Verlage durch das Anzeigen-Geschäft gutes Geld verdient. Darüber hinaus hatten sie eine hohe Reichweite und ein Informations-Monopol.

Durch die flächendeckende Verbreitung des Internets wurden die Spielregeln geändert: Informationen waren fortan für jedermann frei verfügbar im Netz zu finden, womit das Informations-Monopol der Zeitungen gebrochen wurde. Zwar konnten die Verlage ihre Reichweite auch im digitalen Raum behaupten, aber…

… das Werbe-Geschäft war nun plötzlich deutlich transparenter: Als Anzeigen noch in Print-Medien abgedruckt wurden, konnte kein Anzeigen-Schalter wissen, ob der Kunde seine Werbung überhaupt wahrnimmt. Zahlen musste er dennoch. Im Web ist es genau umgekehrt, denn wie bereits erwähnt, lässt sich heute sehr genau tracken, ob eine Werbe-Anzeige den gewünschten Effekt erzielt hat.

Das mit dem Reichweiten-Verlust von Print-Erzeugnissen ließ sich natürlich nicht verhindern. Das ist halt eine normale Entwicklung. Schließlich hat heute jeder einen „Zeitungsapparat“ in der Tasche. Die Herausforderung besteht also konkret darin, den Leuten wieder anzuerziehen, dass gute Inhalte nun einmal auch Geld kosten.

Auch bei Axel Springer verfolgen wir diese Strategie. Natürlich kann ich jetzt nichts über die Anzahl an Bild-Plus-Abonnenten sagen. Was ich aber sagen kann ist, dass man intern einigermaßen zufrieden mit der Entwicklung ist. Allerdings muss ich auch zugeben, dass man die Online-Abonnenten natürlich nicht mit den drei Millionen Bild-Zeitungen vergleichen kann, die pro Tag verkauft werden.

Aus dem klassischen journalistischen Geschäft lassen sich da heute leider nicht mehr die Umsätze von damals erreichen. Bei Axel Springer geht man daher inzwischen neue Wege: Neben Beteiligungen an Stepstone oder dem Idealo-Preisvergleich verfügt man mit dem Affiliate-Anbieter AWIN über eine lukrative Einnahme-Quelle.

Philipp:

Ich habe vor kurzem mit einer angehenden Journalistin aus Köln gesprochen, die gerade ihr Studium beendet hat. Nach ihrem letzten Praktikum in einer Content Marketing Agentur hat sie sich dann entschieden, ins Content Marketing und nicht in den Journalismus zu gehen. Ein bestätigendes Beispiel für eine Entwicklung, die Dirk Benninghoff kürzlich aufgriff und die ich mit gemischten Gefühlen betrachte.

Ingo:

Natürlich wirkt sich diese Entwicklung nicht ausschließlich positiv aus. Wie immer gibt es Gewinner und Verlierer. Letztlich muss aber auch jeder für sich wissen, worauf er seinen beruflichen Fokus legen möchte. Man sollte sich immer bewusst sein, dass hinter jedem Artikel im Content Marketing ein Transaktionswunsch bzw. ein Werbewunsch steht. Schließlich ist es eine Marketing-Disziplin.

Und wenn wir ehrlich sind, war es vor dem Internet ja ähnlich: Damals gab es auch große Anzeigen-Kunden, von denen man behauptet hat, sie würden Einfluss auf die Berichterstattung nehmen wollen. Ich denke, am wichtigsten ist es, dass die Leute den Unterschied merken.

Was ich in dieser Hinsicht viel extremer finde, ist das derzeit explodierende Influencer Marketing. Dort werden Reichweiten ja quasi ausschließlich dafür eingesetzt, irgendwelche Produkte an den Mann zu bringen. Das ist dann eine ganz andere Dimension als Anzeigen-Werbung in Zeitungen.

Philipp:

Das mit den Influencern sehe ich auch eher kritisch. Gerade auf Instagram weißt du nie, ob die Reichweite eines Influencers nicht doch über Bots generiert wurde. Statt massig Geld für einen desinteressierten 20jährigen auszugeben, würde ich immer auf Kooperationen zwischen Unternehmen setzen, die auch wirklich daran interessiert sind, sich gegenseitig zu unterstützen. Ich weiß aber auch, dass das eine sehr romantische Sichtweise ist.

Ingo:

Find ich aber völlig richtig!

Content Marketing und Amazon SEO – Die perfekte Symbiose 

Philipp:

Ganz anderes Thema: Amazon SEO ist ja auch im Dienstleistungsportfolio deiner Agentur enthalten. Als Content- und SEO-Nerd würden mich dabei vor allem die Content-Funktionen von Amazon interessieren. Welche Funktionen sind in diesem Kontext deiner Meinung nach erwähnenswert?

Ingo:

Verglichen mit Google SEO ist Amazon SEO ja immer noch sehr rudimentär. Der A9-Algorithmus von Amazon ist bei weitem noch nicht so komplex wie der über 20 Jahre entwickelte Algorithmus von Google. Daher kommt es vor allem auf zwei Punkte an: Die Performance und die Relevanz.

Wenn man ein Produkt für Amazon optimieren will, musst du immer davon ausgehen, dass Amazons Ziel nicht das Anzeigen von Inhalten sondern der Verkauf einer Ware ist. Dementsprechend bringt es nichts, die Kunden auf seine Produkt-Seite zu holen, es muss auch verkauft werden. Die Conversion Rate zählt daher zu den wohl wichtigsten KPI’s im Amazon SEO.

Wie hoch oder niedrig die Conversion Rate ausfällt, hängt wiederum von anderen Faktoren ab, die allesamt für die Amazon SEO relevant sind. Hierzu zählen der Produktpreis, die Verfügbarkeit, die Versand-Konditionen und natürlich auch die Bewertungen eines Artikels.

Was Keywords angeht, ist es auf Amazon ebenfalls leichter als auf Google. Meiner Erfahrung nach funktioniert das Keyword-Dropping im Titel aktuell noch problemlos, was bei Google ja definitiv nicht mehr der Fall ist. Alles was man in den Text-Feldern einträgt, muss Relevanz erzeugen und sehr genau zur Suchanfrage des Kunden passen. Sonst kauft er nicht und das ist schlecht fürs Produkt-Ranking.

Also um es kurz zu machen: Amazon SEO ist definitiv leichter umzusetzen als Google SEO, da Offpage-Faktoren wie Backlinks erstmal keine Rolle spielen. Umso wichtiger ist daher die Onpage-Gestaltung der Landingpage, damit der Kunde auch wirklich kauft.

Philipp:

Amazon SEO lässt sich exzellent mit Content Marketing verbinden, weil du ja quasi Landingpages erstellen kannst, auf denen du ein produktbezogenes Problem löst. Angenommen, du verkaufst Koch-Geschirr zum Backen und erklärst potenziellen Kunden auf deiner Landingpage, wie sie eine Geburtstagstorte zubereiten.

Wenn du im Content dann noch einen Link zu deinem Amazon-Produkt setzt, bringst du zusätzlichen Traffic auf deine Amazon-Verkaufsseite und qualifizierst deinen Traffic sogar noch vor. Wie stehst du zu diesem Konzept?

Ingo:

Ich sehe das im Wesentlichen genauso wie du, da du von einer SEA-Anzeige nicht direkt zu deinem Amazon-Produkt verweisen darfst. Daher benötigst du unbedingt mit Content gefüllte Landingpages, mit denen du deinen Traffic vorqualifizieren kannst. Mal ganz davon abgesehen, dass du auf einer eigens erstellen Landingpage viel mehr Darstellungs-Möglichkeiten hast. Von daher halte ich dieses Konzept für sehr mächtig!

Philipp:

Natürlich kannst du jetzt keine Kunden-Daten preisgeben, aber was waren so deine größten Erfolge im Amazon SEO? Kannst du mir da ähnlich spannende Insights berichten wie vom Axel Springer Verlag?

Ingo:

Von denen berichte ich sehr gerne, aber zunächst würde ich gerne noch etwas über die Marktmacht von Amazon sagen: Die Verlagerung von der Google Suche hin zur direkten Amazon Suche sehe ich nicht unbedingt positiv, weil sich im E-Commerce meiner Meinung nach nie zu viel Macht in der Hand eines Players befinden sollte.

Allerdings nutze ich bei meinen Produkt-Suchen mittlerweile auch fast ausschließlich Amazon, weil es eben unglaublich bequem ist. Durch all die Vorzüge, die man als Prime-Kunde usw. genießt, reicht es bei vielen Produkten bereits aus, diese überhaupt auf Amazon zu präsentieren. Man profitiert quasi von dem enormen Branding-Effekt, den Amazon-Produkte automatisch ausstrahlen.

Sehr gute Erfahrungen haben wir z.B. mit unserem Kunden iRobot gemacht, für den wir nicht nur die Amazon SEO optimiert, sondern auch Amazon-Anzeigen geschaltet haben. Für einen kurzen Zeitraum konnten wir allein durch die Definition von sinnvollen KPIs den Umsatz um 30 % steigern.

Einen besonders wertvollen Tipp kann ich an dieser Stelle denjenigen mit auf den Weg geben, die einen Konkurrenten haben, der ihr Produkt deutlich günstiger verkauft: Mit der Funktion des A+ Contents lassen sich problemlos Tabellen und andere Ansichten einbinden, die einen Funktions- und Preis-Vergleich vereinfachen. Das hat unserem Roboter einen echten Schub gegeben!

Darum solltest du Chatbots als zusätzlichen Seeding-Kanal nutzen…

Philipp:

Durch Chatbots bereitgestellter Content könnte einer der Gamechanger im Jahr 2019 werden. Oder siehst du das anders?

Ingo:

2019 werden sie das noch nicht werden, weil sie schlicht noch nicht klug genug sind. Die mir bekannten Anbieter von Chatbots, zu denen u.a. MessengerPeople und Chatchamp zählen, sprechen zwar immer wieder von KI, jedoch handelt es sich dabei meist um stark vortrainierte Bots.

Demnach können diese nur zuvor eingegebene Fragen beantworten. Alles was darüber hinaus geht noch nicht. Erfragt der Nutzer zu komplexe Dinge, kann der Bot sich in der Regel nicht dazu äußern. Selbst bei Google Home und Alexa stoße ich in den eigenen vier Wänden schnell an die Grenzen des derzeit Machbaren. Dabei sind das die mit Abstand fortschrittlichsten Systeme!

Philipp:

Aus Content-Sicht eignen sich Chatbots meiner Meinung nach ideal zum Content Seeding. Ein Freund von mir bezieht seine Werder-Bremen-News zum Beispiel über die WhatsApp-Gruppe einer Bremer Regional-Zeitung.

Anders als bei einem Newsletter, der ja im täglichen Mail-Chaos gerne mal untergeht, zählt WhatsApp ja definitiv zu den Closed-Communitys, zu denen Publisher nur schwer Zugang erhalten. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, glaube ich, dass Chatbots schon extrem viel leisten können.

Ingo:

Dieses Beispiel kannte ich in der Tat noch nicht. Mir ist nur bekannt, dass mydealz als Schnäppchen-Community wohl auch eine sehr erfolgreiche WhatsApp-Gruppe unterhält. Allerdings kann man in diesem Kontext nicht von Chatbots im eigentlichen Sinne sprechen, sondern, wie du es bereits richtig benannt hast, von einem weiteren Seeding-Kanal.

Wäre der Bot der Bremer Regional-Zeitung ein Bot im klassischen Sinne, würde er eine Kommunikation in beide Richtungen ermöglichen. Wenn ich am Abend auf eine Gala gehen möchte und dafür noch eine Krawatte benötige, wäre es eine große Hilfe, wenn der Chatbot bereits wüsste, was meine Vorlieben sind und mir darauf basierend drei Krawatten vorschlagen würde.

Genauso verhält es sich übrigens auch mit Geschäftsreisen: Sobald mir ein Chatbot sagen kann, warum mein Koffer nicht auf dem Gepäck-Band in München, sondern im Bauch eines Flugzeugs Richtung Istanbul liegt und ich als Kunde daraus einen Vorteil ziehe, wird es den großen Durchbruch geben.

Philipp:

Hast du denn schon einmal eine Chatbot-Marketing-Kampagne umgesetzt? Und, wenn ja, kannst du uns ein Beispiel geben, wie du das Ganze umgesetzt hast?

Ingo:

Sehr gerne: Mit unserem Partner Chatchamp haben wir für O2 ein komplettes System umgesetzt, dass dir auf Basis vordefinierter Fragen Tarife vorschlägt. Das funktioniert auch heute schon recht gut. Nur hat es nichts mit Künstlicher Intelligenz oder einer echten Kommunikation zu tun.

Philipp:

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass zwar viele Marketer von Messenger Marketing sprechen, die prominenten Beispiele zum Einsatz dieser Technik aber meist aus Übersee oder dem asiatischen Raum kommen. Irre ich mich da, oder gibt es in Deutschland tatäschlich noch keine Best Practise Beispiele von Unternehmen?

Ingo:

Da liegst du, glaube ich, nicht ganz falsch. Man darf aber auch nicht vergessen, dass sich China und die USA sehr stark vom europäischen Markt unterscheiden. In China hast du beispielsweise die WeChat-App, mit der du gefühlt dein ganzes Leben regeln kannst. Die Apps, die wir nutzen, stammen beide aus den USA: Facebook und WhatsApp.

Von daher ist es kaum verwunderlich, dass zwar viel getestet wird, es an der Umsetzung aber noch hapert. So weit ich weiß, hat Zalando ein Bot-System. Ob es erfolgreich ist, weiß ich allerdings nicht. Eine komplette Geschäftsgrundlage auf Chatbots aufzubauen, halte ich derzeit auch noch für nicht durchführbar. Genauso wie die Behauptung mancher Experten, es gäbe bald keine Apps mehr, sondern nur noch Chatbots.

Philipp:

In diesem Sinne können wir wohl nur abwarten, was uns die Zukunft bringt. Ich bedanke mich für das Gespräch, Ingo!

Ingo: Immer wieder gerne!

Das Zitat des Tages von Online-Marketing-Experte Ingo Kamps

Die aktuellen Entwicklungen im Content-Bereich verfolge ich natürlich auch, wobei ich die Bemühungen mancher Unternehmen durchaus eher kritisch sehe: Content Marketing muss, wie jede andere Marketing-Form auch, messbar gemacht werden! Daher muss zuvor immer ein konkretes Ziel in Form einer Strategie definiert werden.

Sehen wir ganz genauso, Ingo! Damit du deine Content Marketing Erfolge in Zukunft messen kannst, empfehlen wir dir unsere contentbird Content Analyse. Teste unsere Plattform 14 Tage kostenlos und messe anhand aussagekräftiger KPI’s deinen Content-Erfolg!

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Philipp Schuette

Philipp textet eigentlich immer. Egal, ob bei der Arbeit oder in den eigenen vier Wänden. Seine Erfahrungen konnte er bei einem Vergleichsportal, einem Online-Shop und zuletzt bei einer Online-Marketing-Agentur sammeln.

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Bildnachweis: Titelbild by Ingo Kamps
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